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Dienstag, 2018-12-18

Halde an der Honermannsiedlung

Halde an der Honermannsiedlung - Chance für die Natur.

Junge Leute werden sich kaum noch daran erinnern, dass direkt an der Bahnlinie Recklinghausen-Münster in Höhe der Honermannsiedlung früher Kohle abgebaut wurde. 1964 erfolgte der Teufbeginn der Schachtanlage Zeche General Blumenthal 8 an der Stadtgrenze zu Oer-Erkenschwick. Der Schacht wurde 2001 aufgegeben und verfüllt. Nach aufwendigen Rekultivierungsmaßnahmen dient die ehemalige Halde nun der Naherholung. Die Planung der RAG Montan Immobilien hat sich das Ziel gesetzt, dass sich die ehemalige Bergbaufläche harmonisch in die Geländeformen des nördlichen Haardvorlandes einfügt. Das Ziel scheint erfüllt, obwohl noch nicht beurteilt werden kann, ob es sich ökologisch gesehen um eine Bereicherung handelt. Die 20 Hektar große Fläche erscheint noch sehr kahl und aufgeräumt. Es wird noch Jahre dauern, bis sich diese Fläche im ökologischen Sinne entwickelt hat. Die natürliche Sukzession wird die Antwort geben. Ein sogenannter Industriewald hat sich bereits kleinflächig entwickelt, d. h. Pionierbäume wie die Birken haben sich dieses Terrain auf dieser ehemaligen Industriefläche erobert. Auch andere Baumarten werden sich nach und nach ansiedeln. Aufforstungen mit anderen Baumarten erfolgten bereits. Die Entwicklung von Flächen im Ruhrgebiet, auf denen sich die Natur verloren gegangenes Terrain zurückerobert, verfolgen Biologen mit großer Spannung. Nicht selten entstehen hier die artenreichsten Biotope der Bundesrepublik. Auch der NABU beobachtet den weiteren Werdegang der Fläche mit großer Aufmerksamkeit.

Der Spagat zwischen Hundefreunden, Joggern, Walkern, Fahrradfahrern, Wanderern und Naturfreunden muss gefunden werden. Hier alle Interessen unter einen Hut zu bringen, scheint nicht einfach, aber möglich.

An der Westseite zur Brandstraße wurden Obstbäume gepflanzt, die die Fläche ökologisch aufwerten. Die Halde grenzt direkt an den Silvertbach, der 2012 zum Naturschutzgebiet erklärt wurde. Bis in die achtziger Jahre hinein war hier der Eisvogel regelmäßig Gast bzw. Brutvogel. Nachdem vor über 25 Jahren der Wald zum Teil abgeholzt wurde, ließ die ökologische Wertigkeit dieses Lebensraums stark nach. Langsam scheinen diese Wunden verheilt zu sein. Der Silvertbach gehört zu den saubersten Gewässern im Kreis Recklinghausen und zeichnet sich durch eine gute Gewässerqualität aus. Am nördlichen Rand der Halde führt auf der ehemaligen Zechenbahntrasse ein Rad- und Wanderweg lang. Im Frühjahr ziehen größere Teppiche Scharbockskraut Neugierige in den Bann. Auch das hier wachsende Lungenkraut fesselt den Besucher. Diese Haldenlandschaft durchzieht ein angenehmes Wanderwegenetz. Der Mäusebussard zeigt sich hier oft bei seiner „sit and wait“-Strategie. Er sitzt auf Mäuse an und greift zu, wenn sich unvorsichtige Kleinsäuger aus ihren Löchern trauern. Text und Bilder: U. Nickel  Klick für größere Bilder