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Donnerstag, 2019-10-17

 

 

 

 

 

Buschwindröschen

 

 

 

 

Sumpfdotterblume

 

 

 

 

Löwenzahn

 

Pflanzen- und Naturvielfalt in Recklinghausen

 

Seltene Pflanzen erwartet der Pflanzenfreund meist in südlichen Ländern Europas oder in den Tropen. Doch auch in Recklinghausen laden einige Naturschutzgebiete und außergewöhnliche Lebensräume zu ausgiebigen Streifzügen ein. Das Naturschutzgebiet “Die Burg” im Norden der Festspielstadt zeichnet sich durch mäandrierende Bachläufe des Silvert- und Nieringsbaches und Buchen-, Eichen- und Erlenwaldgesellschaften aus. Zeitweilig Wasser führende Stillgewässer, Waldtümpel und Altarme sind noch an verschiedenen Stellen zu finden. Dieses mannigfaltige Biotopmosaik lässt im Frühjahr Schlüsselblume, Sumpfdotterblume, Buschwindröschen und Scharbockskraut hervorragend gedeihen. Ähnliche Biotopstrukturen befinden sich im 41 ha großen Naturschutzgebiet “Becklemer Busch” in Suderwich. Strukturreicher Feuchtwald mit einem vegetationskundlich interessanten Quellbruch und zahlreichen Tümpeln bilden in den Randzonen einen Lebensraum für den Riesenschachtelhalm, der neben vereinzelten Wasserfederbeständen großflächig entwickelt ist. Großseggenriede ergänzen den Pflanzenreichtum.

Die Sumpfdotterblume zieht durch ihr leuchtendes Gelb die Blicke des Naturfreundes auf sich und wächst in Sumpfwiesen, Gräben und Auwäldern. Entwässerungsmaßnahmen und Bachbegradigungen haben vielerorts dafür gesorgt, dass dieses Hahnenfußgewächs auf die Rote Liste gesetzt werden musste. Vielfältig und bunt wachsen die Taubnesseln, die mit fünf Vertretern ihre Mannigfaltigkeit in Recklinghausen eindrucksvoll unter Beweis stellen. Weiße und Rote Taubnessel sind nahezu jedem bekannt. Während die Stengelumfassende Taubnessel zu den etwas selteneren Arten gehört, erreicht die Gefleckte Taubnessel eine stattliche Höhe bis zu 60 cm. Die Fleckung auf der Blütenunterseite hat dem Lippenblütler seinen Namen gegeben und verrät dadurch seine Anwesenheit. Mit großen Teppichen überzieht die Goldnessel oder Gelbe Taubnessel zwischen April und Mai die Bodenschichten in lichten Laubwäldern und an Waldrändern. Die Frühlingsflora nutzt das noch nicht geschlossene Laubdach der Bäume, um ihre Schönheit zu zeigen. Das Scharbockskraut ergänzt bereits im März diesen Blütenreigen mit gelben Blüten. Früher wurde dieses Hahnenfußgewächs zur Bekämpfung von Skorbut verwendet. Diese Vitamin C-Mangelerkrankung wurde früher noch als Scharbock bezeichnet.

Im äußersten Südosten von Recklinghausen an der Grenze zum Hertener Katzenbusch warten noch recht naturnahe Waldbereiche darauf, entdeckt zu werden. Aronstab, Schattenblume und das unscheinbare Moschuskraut lassen sich hier noch finden. Das Perlgras zeigt sich mit etwas Glück dem aufmerksamen Beobachter. Es bevorzugt kalkhaltigen Untergrund und ist im zentralen Ruhrgebiet sehr selten. Die Ausweisung des Brandhorster Waldes als Naturschutzgebiet schützt ein weitgehend intaktes Waldgebiet. Auch die Hohenhorster Heide und der Rodelberg lohnen einen Besuch und verbergen so manch seltene Kostbarkeit. Die Brandheide im Osten der Festspielstadt dient vielen Stressgeplagten als Erholungsgebiet. Innerhalb dieses großen Waldgebietes wurde der “Bruchwald Brandheide” als Naturschutzgebiet ausgewiesen, um seltenen Pflanzen und Tiere eine wertvolle Nische zu sichern.

Mit etwas Glück lassen sich in Recklinghausen auch noch zwei Orchideenarten finden. Die Breitblättrige Sumpfwurz verzaubert mit ihren unscheinbaren, aber dennoch attraktiven Blüten, während an ganz wenigen Stellen in feuchten Wiesen und Gräben noch das Breitblättrige Knabenkraut anzutreffen ist."

"Die Burg"

Halden und Brachen haben sich zu einem wahren Eldorado für Botaniker entwickelt. Wo früher industrielle Tätigkeit betrieben wurde, finden Pflanzen ein Zuhause. Unterschiedliche Wachstumsbedingungen und Sukzessionsstadien existieren oftmals kleinräumig nebeneinander und lassen Pflanzengesellschaften mit hohen Artenanzahlen entstehen. Das Bodengefüge ist häufig vollständig verändert worden und ähnelt mit seinen erhöhten Konzentrationen von Schwermetallen oder Salzen nährstoffarmen und trockenen Böden in Wüsten- und Steppenregionen. Bergematerial und Schlacken erreichen im Sommer oft Bodentemperaturen von über 60 Grad. Gebietsfremde Pflanzenarten, die ähnliche Wuchsbedingungen aus ihren Heimatarealen gewohnt sind, finden neue Nischen. Eingewandert durch Importe fühlen sich diese Exoten im Ruhrgebiet wohl und bestechen durch die Schönheit und Farbenfülle. Die Mischung aus einheimischen und eingewanderten Pflanzenarten, die in dieser Zusammensetzung sonst niemals zueinander gefunden hätten, macht den Reiz dieser neuen Lebensgemeinschaften aus. Diese Veränderungen zu beobachten und registrieren, wird die Botaniker der Region in den kommenden Jahren beschäftigen. Die Halden Hoheward und Hoppenbruch stehen für diese neuen Nischen.

Der NABU führt Exkursionen durch, um die einheimische Pflanzenwelt in all ihrer Schönheit zu erleben.

 

Text und Bilder: Ulrich Nickel