Sie sind hier: Tiere und Pflanzen / Pflanzen / Pilze sind keine Pflanzen
Donnerstag, 2019-10-17

 

der Fliegenpilz ist leicht giftig, aber nicht harmlos




Grauer Faltentintling



Pilze – die heimlichen Herrscher

 

Wenn im Herbst verstärkt Regenschauer das Wetter bestimmen, verkriechen wir Menschen uns gerne in unsere eigenen vier Wände. Pilze dagegen fühlen sich bei starken Regenfällen sauwohl und sprießen überall aus dem Boden. Die heimlichen Herrscher erobern sich Waldböden, Wiesen, Weiden und Gärten. Sie atmen, sind aber keine Tiere. Sie wachsen zum Licht, sind aber keine Pflanzen. Pilze bilden eine besondere Gruppe von Lebewesen, deren Bedeutung nur wenigen bewusst ist. Ihre Lebensweise sowie Vermehrung stellt uns immer wieder vor viele Rätsel und wirft jede Menge Fragen auf. Eine größere Anzahl dieser Lebewesen bleibt unserem Auge verborgen und ist nur unter dem Mikroskop zu sehen. Groß ist auch die Anzahl der Pilze, die in unserem täglichen Leben eine große Rolle spielen, ohne dass wir uns dessen bewusst sind. Hefepilze braucht man bei der Herstellung von Brot, Bier und Wein; Käse lässt sich ohne Pilze nicht produzieren, und Bakterieninfektionen werden häufig mit Penicillin, einem Pilzprodukt, behandelt.

 

          

Oben links: Zonentremete, rechts: Zunderschwamm

Nahezu 6000 verschiedene Arten leben in Deutschland. Pilze spielen im biologischen Kreislauf der Natur eine sehr wichtige Rolle. Sie zerlegen pflanzliches und tierisches Material in ihre Bestandteile, die dann als Nährstoffe in den natürlichen Kreislauf eingehen. Gleichzeitig dienen diese organischen Stoffe auch als Nährsubstrat für die Pilze. Man kann sie als sogenannte Abfallbeseitiger (Saprophyten) bezeichnen. Sie sind die Saubermacher des Waldes und zersetzen Holz, Blätter, Nadeln und Zapfen zusammen mit Bakterien und anderen Bodenlebewesen.

Die Pilze besitzen kein Blattgrün und können deshalb ihre Nahrung nicht selber produzieren wie Pflanzen. Dafür brauchen sie einen Partner. Daher haben sie sich mit den Wurzeln von Bäumen, Sträuchern, vielen Orchideen und anderen Pflanzenarten zu Lebensgemeinschaften (Symbiosen) zusammengeschlossen.

Oft tauchen Pilze in der Nähe bestimmter Bäume auf. Ein Blick auf das Wurzelwerk bringt die Lösung. Bei den meisten Waldbäumen sind die Seitenwurzeln von Pilzfäden umsponnen, die wie feine Wurzelhaare wirken. Ganz eng umschließt das Pilzmyzel die Saugwurzeln des Partners. Der Pilz versorgt den Partner mit Mineralsalzen, der seinerseits dafür vom Baum Kohlenstoffverbindungen empfängt. Es besteht also eine Lebensgemeinschaft zum gegenseitigen Nutzen. Die enge Verbindung zwischen Bäumen und Pilzen im Wurzelbereich nennt man Mykorrhiza. Pilze können sich aber auch als Parasiten an lebenden Pflanzen und Tieren niederlassen und schädigen ihren Wirt.

Der Pilz zeigt im Herbst nur seinen Fruchtkörper. Er lebt im Verborgenen unter der Erde und durchzieht seinen Lebensraum mit Pilzfäden (Hyphen), die ein dichtes Netz bilden, das Myzel.

 

Im Herbst lohnt besonders nach langen Regenfällen ein ausgedehnter Spaziergang durch die Haard. Überall zeigen sich die kleinen Gesellen. Sie durchdringen den Waldboden, präsentieren ihre ganze Pracht auf Totholz oder fühlen sich am Fuße der Bäume wohl. Wer seine Blicke aufmerksam schweifen lässt, kann innerhalb kürzester Zeit mehr als 30 verschiedene Pilzarten identifizieren. Aber aufgepasst: Pilze sammeln zum Verzehr sollte nur, wer sich richtig auskennt. Wer Zweifel hat, sollte die Finger davon lassen. Auch sind manche Pilzarten recht selten geworden und sollten stehen gelassen werden. Text und Bilder U. Nickel