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Dienstag, 2018-02-20

Flechten - eigentümliche Doppelwesen

Flechten sind für uns Lebewesen, die wir kaum wahrnehmen. Unser Blick gehört eher den Blütenpflanzen, die uns mit schönen Farben und extravaganten Formen faszinieren. Der Geruch betört oft unsere Sinne. Dass es sich bei den Flechten um höchst eigentümliche Doppelwesen handelt, wurde erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entdeckt. Pilze und Algen bilden in Form der Flechten dauerhafte Lebensgemeinschaften. Eine solche, aufeinander abgestimmte Lebensgemeinschaft zweier verschiedener Organismen nennt man Symbiose. Selten ist die Symbiose in der Natur so perfektioniert worden wie bei den Flechten.
Diese Symbiose bringt Pilz und Alge erhebliche Vorteile. Der Pilz erhält die zu seiner Existenz notwendigen Kohlenhydrate von der Alge, welche die Fotosynthese betreiben kann. Die Alge ist in der Umhüllung durch das Pilzgeflecht vor raschem Wasserverlust, vor intensiver Sonneneinstrahlung oder vor leichtem Zugriff algenfressender Tiere geschützt. Mit Hilfe der Symbiose in Form einer Flechte haben die beteiligten Pilze und Algen ihre ökologischen Möglichkeiten erheblich erweitert und sind in der Lage, Standorte zu besiedeln, die sie allein nicht erfolgreich einnehmen könnten.
Meist bestimmt der Pilzpartner das äußere Erscheinungsbild des Vegetationskörpers, ein Geflecht aus Pilzfäden, das sogenannte Lager. Darin eingeschlossen befindet sich meist eine Population der Algen. Nach der Wuchsform und der Auflagefläche des Lagers, auch Pilzthallus genannt, unterscheidet der Fachmann folgende Haupttypen:

1.   Krustenflechten: Der Thallus mit seiner krustenähnlichen oder schorfigen Form ist so fest mit einer Unterlage (Substrat) verbunden, dass er nur schwer abzulösen ist.
2.   Blattflechten: Sie besitzen lappige, mehr flächig entwickelte Lager. Der Thallus liegt locker auf dem Substrat auf.
3.   Strauchflechten: Der Thallus ist strauchförmig verästelt und wächst als aufrechter Rasen auf Erde oder Fels oder hängt von Bäumen oder Totholz.
4.   Bartflechten: Sie besitzen bärtige und zottige Formen.
Zu den Flechtenstoffen gehören auch Säuren, die der Flechtenorganismus in bemerkenswert hoher Konzentration erzeugt. Sie wurden wichtig für die Beantwortung taxonomischer Fragen. Mit Säuren fördern die Flechten die chemische Verwitterung der Gesteine, denen sie aufsitzen und in das ihre Pilzfäden eindringen, um sich zu verankern.
Flechten ertragen zwar hohe Schwermetallkonzentrationen, sind aber empfindlich gegen starke Luftverschmutzung, besonders Schwefeldioxid. Dadurch haben sie eine große Bedeutung als Zeigerpflanzen (Bioindikatoren) gewonnen.

Die Becherflechten (Cladonia) umfassen weltweit etwa 350 Arten, von den in Mitteleuropa ca. 70 Arten beheimatet sind. An ihren Stämmchen werden die braunen oder roten Fruchtkörper gebildet. Namensgeber ist der am Ende des Stiels gebildete Becher.

 

Text und Bild: U. Nickel